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Schweizer Rekordler Tadesse Abraham vor dem Dubai-Marathon: „Das Ziel ist, das Limit herauszufinden“

Seit Jahren gehört Tadesse Abraham zu den besten Marathonläufern Europas. Der aus Eritrea stammende Schweizer gewann im vergangenen Jahr bei den Europameisterschaften in Berlin die Silbermedaille im Marathon, nachdem er 2016 Viktor Röthlin als Schweizer Rekordler über die klassische Distanz abgelöst hatte. Abraham lief damals in Seoul 2:06:40 Stunden. Im gleichen Jahr wurde er als bester europäischer Läufer Siebenter bei den Olympischen Spielen in Rio, nachdem er zuvor den Halbmarathon-EM-Titel gewonnen hatte. Zum ersten Mal wird er morgen beim Standard Chartered Dubai-Marathon starten.

Tadesse Abraham plant in Dubai das schnellste Rennen seiner Karriere. Foto: Giancarlo Colombo / Standard Chartered Dubai Marathon

„Ich bin gut vorbereitet und gespannt wie es wird“, sagt Tadesse Abraham, der hofft, die superflache Strecke in Dubai für eine neue Bestzeit nutzen zu können. „Meine Form ist jetzt besser als vor dem Rennen in Seoul 2016. Aber es kommt natürlich auch immer darauf an, was am Renntag passiert.“ In jedem Fall ist Tadesse Abraham bereit für eine schnelles Rennen. „Ideal wäre für mich, wenn ich die erste Hälfte in 62:10 Minuten laufen könnte.“ Damit wird sich der 36-Jährige am Freitag in Dubai wohl in der zweiten Gruppe einsortieren, denn die Spitze läuft voraussichtlich noch etwas schneller. Mit einer Zwischenzeit von knapp über 62 Minuten könnte Tadesse Abraham sogar den Europarekord angreifen, den der Brite Mo Farah im vergangenen Oktober in Chicago auf 2:05:11 Stunden verbessert hatte.

„Ich habe den Europarekord natürlich im Kopf“, sagt Tadesse Abraham. „Aber ich denke nicht so sehr an Rekorde. Mein Ziel ist es, mein Limit im Marathon herauszufinden.“ Der extrem schnelle Kurs in Dubai, wo es in den vergangenen Jahren immer wieder absolute Weltklassezeiten gab, bietet Tadesse Abraham eine sehr gute Möglichkeit dafür.

Drei Monate lang hat sich der 36-Jährige auf das Rennen in den Vereinigten Arabischen Emiraten vorbereitet. „Wie immer vor großen Läufen war ich in Äthiopien zum Training. In Addis Abeba trainiere ich in der Gruppe meines Managers Gianni Demadonna“, erzählt Tadesse Abraham. Zu seinen Trainingspartnern zählen zahlreiche Weltklasseläufer, darunter auch der Äthiopier Guye Adola, der in Dubai der schnellste Läufer auf der Startliste ist (2:03:46 Stunden). Betreut wird die Gruppe vom äthiopischen Coach Gemedu Dedefo.

Auch die Weihnachtszeit verbrachte Tadesse Abraham, der mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn in Genf zu Hause ist, mit Trainingsläufen in Addis Abeba. „Wir haben dort zweimal Weihnachten gefeiert. Meine Familie war am 24. Dezember mit mir in Äthiopien, wo dann zwei Wochen später gefeiert wird.“

Während Tadesse Abraham regelmäßig in Äthiopien ist, war er seit 2004 nicht mehr in seiner Heimat in Eritrea. Damals startete er bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften in Brüssel und setzte sich anschließend vom Team Eritreas ab. In der Schweiz, wo er für den LC Uster startet, begann er ein neues Leben. Seine Eltern und seine Geschwister hat er seitdem „nur noch über Facetime gesehen“. Aus politischen Gründen kann Tadesse Abraham nicht nach Eritrea reisen. „Ich hoffe sehr, dass es eines Tages die Möglichkeit gibt, sie wiederzusehen.“ An die Situation musste er sich schon lange gewöhnen, seine eigene Familie hilft ihm dabei. „Meine Frau und mein Sohn sind jetzt auch nach Dubai gekommen, um mein Rennen zu sehen.“

Tadesse Abraham ist nicht nur ein Lauf- sondern auch ein Sprach-Talent. Neben seiner Muttersprache und dem äthiopischen Amharisch spricht er sehr gutes Deutsch sowie Englisch, Französisch und etwas Italienisch. Möglicherweise könnten diese Fähigkeiten ihm nach seiner Karriere helfen. Doch vorerst konzentriert sich Tadesse Abraham weiter voll auf das Laufen. „Der Olympia-Marathon in Tokio im nächsten Jahr ist ein großes Ziel.“ Wie lange der 36-Jährige danach noch seine Karriere fortsetzen kann, kann er selbst nicht abschätzen. „Ich weiß nicht, wie lange ich noch auf diesem Niveau laufen kann. Eines Tages werden mich meine Beine stoppen.“

Text: race-news-service.com