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Athen-Olympiasieger Stefano Baldini traut Eliud Kipchoge regulären 1:59-Marathon zu

15 Jahre nach dem größten Triumph seines Lebens kehrte Stefano Baldini auf jene Strecke zurück, auf der er 2004 Olympiasieger wurde. Der heute 48-jährige Italiener ist der einzige Europäer, der in den letzten 30 Jahren die olympische Goldmedaille im Männer-Marathon gewinnen konnte und es sieht nicht so aus, als ob dies mittelfristig einem anderen europäischen Topläufer gelingt. Als Stefano Baldini am Sonntag beim Athen-Marathon an den Start ging, empfand er ganz ähnliche Gefühle wie vor 15 Jahren - obwohl es am Sonntag für ihn, so wie für die anderen rund 20.000 Läufer, nur um die Finisher-Medaille ging und nicht um einen Olympiasieg.

Stefano Baldini lief zum ersten Mal seit seinem Olympiasieg 2004 wieder die Marathonstrecke seines größten Triumphes. Foto: www.photorun.net

„Die Emotionen waren die selben, glaube ich. Aber mein Körper ist ein anderer. 15 Jahre reichen aus, um einiges zu verändern“, sagte Stefano Baldini, der allerdings nach wie vor in erstaunlicher Form ist. Mehrmals sei er seit 2004 in Athen gewesen, aber erst am Sonntag kehrte er an die Startlinie nach Marathon zurück. „Athen ist natürlich ein ganz spezieller Ort für mich.“

Stefano Baldini, der in seiner Karriere zweimal Marathon-Europameister war (1998 und 2006) sowie zwei WM-Bronzemedaillen gewonnen hatte, wurde am 29. August 2004 zum “Grande Campione” und zu einem Sport-Superstar in Italien. Noch heute ist Stefano Baldini extrem populär in seiner Heimat.

Der Marathonlauf der Männer war 2004 der letzte Wettbewerb der Olympischen Spiele von Athen. Aufgrund der geschichtlichen Vergangenheit war es ein Höhepunkt der Spiele, der allerdings auch von einem skandalösen Vorfall geprägt war. Ein Zuschauer aus Irland rannte bei Kilometer 36 auf die Straße und stoppte den zu diesem Zeitpunkt in Führung liegenden Vanderlei Lima. Der Brasilianer konnte allerdings nach kurzer Zeit weiterlaufen und gewann nach 2:12:11 noch die Bronzemedaille. Lima hätte aber auch ohne den Vorfall sicher nicht Gold oder Silber gewonnen, denn seine Verfolger, darunter Stefano Baldini, der damalige Marathon-Weltrekordler Paul Tergat (Kenia) und der amtierende Weltmeister Jaouad Gharib (Marokko), liefen in der Endphase des Rennens ein deutlich höheres Tempo als der Brasilianer. In der extremen Hitze war Stefano Baldini  in der Schlussphase der Stärkste und wurde Olympiasieger. „Die letzten zehn Kilometer bei Olympia 2004 waren für mich einfach großartig“, erinnert sich Stefano Baldini, der deswegen am Sonntag besonders diesen Streckenabschnitt genoss. „Ich habe mich auf die zweite Hälfte konzentriert - nicht, dass ich dabei auf die Uhr geschaut habe, sondern ich wollte vor allem die letzten 10 km locker laufen und genießen.“ Dass er die schwere Strecke mit 48 Jahren in 2:57:07 Stunden lief, zeigt, dass der Olympiasieger nach wie vor sehr fit ist.

Während Stefano Baldini in Athen unter drei Stunden lief, war Eliud Kipchoge vor einem Monat in Wien als erster Läufer die 42,195 km unter zwei Stunden gerannt - wenn auch unter nicht rekordkonformen Bedingungen. Stefano Baldini verfolgt die Entwicklungen an der Weltspitze, und er traut dem Kenianer zu, auch in einem regulären Marathon die Zwei-Stunden-Barriere zu durchbrechen. „Ja, Eliud kann das, denn als er in Wien ins Ziel kam hatte er immer noch viel Kraft und Energie. Ich weiß, dass es etwas anderes ist, eine derartige Zeit in London, Berlin, Rotterdam oder Dubai zu laufen. Aber ich glaube, er hat in Wien gesehen, dass alles möglich ist. Er hat eine mentale Barriere durchbrochen - und dadurch, dass er das geschafft hat, kann er es versuchen. Ich weiß nur nicht wann. Denn nächstes Jahr sind die Olympischen Spiele und er ist jetzt 35 Jahre alt. Aber in meinen Augen ist er der einzige, der die Barriere auch regulär durchbrechen kann“, erklärte Stefano Baldini, der mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Athen war. Seine älteste Tochter ist auch in der Leichtathletik aktiv, allerdings nicht als Langstrecklerin. „Sie ist Sprinterin und läuft die 400 Meter.“

Während es an der Weltspitze weiter um die Zwei-Stunden-Barriere gehen wird, verzeichnen die ganz großen Marathonrennen auch breitensportliche Rekorde. In Griechenland absolvierten am Sonntag rund 20.000 Läufer die Original-Marathonstrecke, so viele wie nie zuvor. Und die Veranstalter vom griechischen Leichtathletik-Verband SEGAS gehen davon aus, dass sie diese Zahl noch deutlich steigern können. Sie wollen die Infrastruktur im Startbereich verbessern, um dem wachsenden Interesse am Marathon-Original gerecht zu werden.

Text: race-news-service.com