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Halbmarathon-WM, Paris- und Rom-Marathon fallen aus, Wien dagegen zuversichtlich: „We want to run“

Bereits die zweite Leichtathletik-Weltmeisterschaft wurde binnen kurzer Zeit aufgrund des Coronavirus’ abgesagt: Nachdem der internationale Dachverband „World Athletics“ vor einigen Wochen die Hallen-WM, die im chinesischen Nanjing nur wenige hundert Kilometer vom Virus-Ausbruchsort Wuhan stattfinden sollte, auf das nächste Jahr verschoben hatte, fallen nun auch die Halbmarathon-Weltmeisterschaften am 29. März aus. Die Titelkämpfe im polnischen Gdynia, die in Verbindung mit einem Massenrennen stattfinden sollten, wurden auf den 17. Oktober verschoben.

Ein Rennen nach dem anderen kippt jetzt auch in Europa, darunter die Halbmarathon-WM. Doch Wien gehört zu den Städten, in denen man zuversichtlich ist, dass der Marathon am 19. April stattfinden wird. Das Foto zeigt die Spitzengruppe des Vienna City Marathons an der Oper. Foto: Vienna City Marathon / Michael Gruber

„World Athletics“ ist dabei überraschend nicht dem Beispiel von Tokio gefolgt. Die Japaner hatten das Massenrennen des Tokio-Marathons ausfallen lassen und am vergangenen Sonntag lediglich die Eliteathleten laufen lassen. Nachdem World Athletics die Titelkämpfe in China erst relativ spät abgesagt hatte, ging es diesmal offenbar sehr schnell - vielleicht sogar überstürzt, denn offenbar wussten nicht einmal die eigenen Mitgliedsverbände rechtzeitig Bescheid. So hatte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) keine drei Stunden vor der WM-Absage noch in einer Pressemitteilung das Team bekannt gegeben, das bei der Halbmarathon-WM starten sollte. Nominiert wurden Tobias Blum (LC Rehlingen) und Simon Stützel (LG Region Karlsruhe) sowie Laura Hottenrott (TV Wattenscheid 01), Fabienne Königstein (MTG Mannheim), Deborah und Rabea Schöneborn (beide LG Nord Berlin).

Die Einschätzungen der jeweiligen Experten, die zu Absagen führen, sind offenbar zurzeit ganz unterschiedlich. So wurden in den vergangenen Tagen die Halbmarathon- und Marathonläufe in Rom (8. März und 29. März) abgesagt, während der Mailand-Marathon (5. April) nach dem derzeitigen Stand stattfinden soll - obwohl gerade die Region um Mailand kritisch gesehen wird. Auf der Webseite dieser Veranstaltung findet sich zurzeit kein Hinweis auf die Problematik durch den Coronavirus, und Anmeldungen werden weiterhin angenommen.

Während in Paris nach dem Halbmarathon, der kurzfristig am vergangenen Wochenende abgesagt wurde, nun auch der Marathon am 5. April ausfallen wird - das Rennen soll am 18. Oktober nachgeholt werden -, findet der Den Haag-Halbmarathon am morgigen Sonntag statt. Rahmenwettbewerbe hinzugerechnet, haben für dieses Rennen 42.000 Läufer gemeldet. Die Veranstalter haben auf der Webseite angesichts der Situation Verhaltensregeln für die Teilnehmer publiziert.

Ähnlich wie die Holländer in Den Haag planen zurzeit eine Reihe von weiteren Veranstaltern, darunter auch große Rennen im deutschsprachigen Raum. Nur zwölf Minuten nach der Pressemitteilung mit der WM-Absage von World Athletics schickte der Vienna City Marathon - der als Gold Label-Rennen zur Straßenlaufserie von World Athletics gehört - ein Statement heraus mit der Überschrift: „We want to run“.

In der Mitteilung der Wiener heißt es: „Der Vienna City Marathon (VCM) am 18. und 19. April 2020 wird sicher stattfinden, wenn nicht die maßgeblichen Behörden eine gegenteilige Entscheidung treffen. ,Covid-19 berührt zwar auch die Organisation des VCM. Wir arbeiten aber in jeder Hinsicht an der Vorbereitung. Dabei beachten wir verantwortungsbewusst die Empfehlungen des österreichischen Gesundheitsministeriums und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Abhaltung von Großveranstaltungen’, erklärt Wolfgang Konrad, Veranstalter des Vienna City Marathon. Anders als in Italien, Frankreich oder in der Schweiz wurde in Österreich von den zuständigen Behörden zum momentanen Zeitpunkt explizit kein Verbot von Events ausgesprochen. Die aktuellen Richtlinien in Österreich wie auch in anderen Ländern ermöglichen das Abhalten von Veranstaltungen, was auch laufend passiert. In der nach dem aktuellen Modell des österreichischen Gesundheitsministeriums durchgeführten Risikoabschätzung erreicht der Vienna City Marathon die niedrigste und damit beste Bewertungsstufe. ,Wichtige Gründe dafür sind der Charakter als Freiluftveranstaltung mit Teilnehmenden, die fit, gesund und großteils unter 60 Jahren sind, sowie ein seit Jahren erprobtes, umfassendes Gesundheits- und Sicherheitskonzept, das nun auch Maßnahmen zu Covid-19 integriert’, sagt Dr. Robert Fritz, Leiter des VCM Medical Centre.“

Text: race-news-service.com