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Spannende Marathon-Olympia-Qualifikation bei den Frauen vertagt

Es hätte im Frühjahr die spannendste Olympia-Qualifikation im Marathon seit langem werden können. Doch statt mitreißender Rennen wurde eine Veranstaltung nach der anderen aufgrund der Coronavirus-Krise abgesagt. Zwei deutsche Läuferinnen hatten im Rennen um die maximal drei nationalen Startplätze die Reise zu den Spielen nach Japan so gut wie gebucht: Melat Kejeta und Katharina Steinruck. Dahinter hatte sich Anja Scherl in Position gebracht, doch fünf weitere Läuferinnen wären im April bei einem Marathon mit guten Chancen an den Start gegangen, die internationale Olympia-Norm von 2:29:30 Stunden zu unterbieten. Dieser Wettlauf wurde nun vertagt und wird hoffentlich im nächsten Frühjahr stattfinden können.

Melat Kejeta ist zurzeit die klare Nummer eins in Deutschland im Marathon und im Halbmarathon. Foto: www.photorun.net

Da der Qualifikationszeitraum erst im Dezember wieder beginnen soll, würden Herbst-Marathonrennen, sofern sie überhaupt stattfinden können, nicht für Olympia 2021 zählen - so zumindest ist der aktuelle Stand.

Die internationale Situation bezüglich der Zahl der Läuferinnen, die bisher die Norm von 2:29:30 Stunden erfüllt haben und bei Olympia starten könnten, ist verglichen zu den Männern noch etwas entspannter. Aus rund 65 Athletinnen würde ein derzeitiges Olympia-Feld im Frauen-Marathon bestehen, wenn nur nach der Normzeit nominiert werden würde. Somit wären bei 80 Startplätzen noch 15 Plätze offen, wenn der Qualifikationszeitraum wieder beginnt. Wahrscheinlich muss man aber eher davon ausgehen, dass am Ende eine Zeit um 2:29:00 herum nötig sein wird, um einen der 80 Startplätze zu erhalten.

Wie auch immer: bezüglich der internationalen Situation sind die deutschen Läuferinnen sehr gut im Rennen. Wer sich im Bereich des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) durchsetzt, wird sicherlich in Japan 2021 starten können. Melat Kejeta (Laufteam Kassel) kann weiterhin sicher mit einem Olympia-Start planen, sofern die Spiele stattfinden. Es werden nicht plötzlich drei andere deutsche Läuferinnen unter 2:23:57 Stunden laufen. Das ist die Zeit, die Melat Kejeta im vergangenen Jahr in Berlin erreichte und mit der sie 2019 die drittschnellste europäische Marathonläufern war. Melat Kejeta wollte ursprünglich im April den Vienna City Marathon laufen, bei dem sie zu den Favoritinnen gezählt hätte. Im Februar hatte sie beim Halbmarathon in Ras Al Khaimah (Vereinigte Arabische Emirate) mit 68:56 Minuten die zweitschnellste Zeit ihrer Karriere über diese Strecke erreicht.

Unwahrscheinlich ist auch, dass Katharina Steinruck (Eintracht Frankfurt) noch von zwei Läuferinnen überflügelt wird. Sie hatte sich beim Mainova Frankfurt-Marathon im vergangenen Oktober auf 2:27:26 Stunden verbessert und dann im Januar die Olympia-Norm in Osaka ein zweites Mal unterboten (2:28:48), was bisher keiner anderen deutschen Läuferin gelang.

Anja Scherl (LG Telis Finanz Regensburg) lief gleich drei Marathonrennen binnen elf Monaten. Nachdem sie 2019 ihr Potenzial nicht umsetzen konnte, blieb sie im Februar bei perfekten Bedingungen in Sevilla mit 2:28:25 Stunden klar unter der Norm. Sie wäre nach dem derzeitigen Stand die dritte deutsche Marathon-Starterin bei Olympia.

Im April wäre es im Kampf um Position drei aber sicherlich noch einmal spannend geworden. Die Zwillinge Debora und Rabea Schöneborn (LG Nord Berlin) hatten mit Halbmarathon-Bestzeiten von 71:37 beziehungsweise 71:40 Minuten in Barcelona auf sich aufmerksam gemacht. Damit könnten sie in der Lage sein, eine Marathonzeit im Bereich der Norm von 2:29:30 zu erreichen. Wissend um die nötige Zeit von unter 2:28:25 hätten sie diese in Hamburg sicherlich angepeilt. Zudem meldete sich Laura Hottenrott (TV Wattenscheid) beim Barcelona-Halbmarathon mit einer Bestzeit von 71:56 zurück. Fabienne Königstein (MTG Mannheim) war in Neapel über die halbe Distanz 74:03 gelaufen. Das sind zwar eher keine Zeiten, die im Marathon eine Olympia-Norm erwarten lassen, jedoch kamen beide Läuferinnen von Verletzungen zurück und hatten noch rund zwei Monate Zeit bis zu einem April-Marathon. Ende April wollten auch Anna und Lisa Hahner (SCC-Events Pro-Team Berlin) in Hannover noch einen Last-Minute-Qualifikationsversuch unternehmen. Aufgrund des aktuellen Leistungsstandards hätte wohl nur Anna Hahner realistische Chancen gehabt. Ihr letzter Marathon mit einem Ergebnis von unter 2:30 Stunden liegt inzwischen aber auch schon fast drei Jahre zurück, während Lisa Hahner seit Olympia 2016 keinen Marathon mehr gelaufen ist.

Dass eine Jagd nach einer deutlichen Bestzeit mit dem Ziel Olympia auch schnell schief gehen kann, zeigte sich bei Anke Esser (TV Friesen Telgte). Sie hatte sich in Chicago im vergangenen Oktober auf 2:32:06 gesteigert und wollte dann in Nagoya (Japan) die Norm unterbieten. Nach einem flotten Anfangstempo mit Zwischenzeiten im Bereich von 2:27 bis 2:29 Stunden brach sie in der zweiten Hälfte ein und kam schließlich nach 2:39:19 ins Ziel.

Topzeiten der deutschen Marathonläuferinnen in der Olympia-Qualifikationsphase

Die Qualifikationsphase lief von Januar 2019 und wurde dann in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie von April bis Ende November ausgesetzt. Sie soll im Dezember fortgesetzt werden und läuft dann bis Ende Mai 2021.

2:23:57 *         Melat Kejeta             Laufteam Kassel                  Berlin             29.9.2019

2:27:26 *         Katharina Steinruck Eintracht Frankfurt              Frankfurt       27.10.2019

2:28:25           Anja Scherl               LG Telis Finanz Regensburg Sevilla         23.2.2020

2:28:48           Steinruck (2)                                                              Osaka             26.1.2020

2:31:18 *         Deborah Schöneborn LG Nord Berlin                   Köln               13.10.2019

2:32:06 *         Anke Esser                TV Friesen Telgte                 Chicago         13.10.2019

2:32:31           Scherl (2)                                                                   Hannover        7.4.2019

2:32:55           Scherl (3)                                                                   Düsseldorf      28.42019

2:35:33 *         Stefanie Doll             SV Kirchzarten                     Berlin             29.9.2019

2:36:09           Anna Hahner            SCC-Events Pro-Team Berlin Düsseldorf            28.4.2019

2:36:10 *         Thea Heim                 LG Telis Finanz Regensburg Hamburg    28.4.2019

* = persönliche Bestzeit

Die internationale Olympia-Norm steht bei 2:29:30 Stunden.

Die kursiv markierten Athleten wären im Frühjahr voraussichtlich einen Marathon gelaufen.

 

Topzeiten der deutschen Läuferinnen im Halbmarathon 2020

 

68:56              Melat Kejeta             Laufteam Kassel      Ras Al Khaimah /UAE          21.2.2020

70:08               Alina Reh                   SSV Ulm                                            Barcelona      16.2.2020

71:37 *            Debora Schöneborn LG Nord Berlin                                 Barcelona      16.2.2020

71:40 *            Rabea Schöneborn  LG Nord Berlin                                 Barcelona      16.2.2020

71:40 *            Miriam Dattke           LG Telis Finanz Regensburg          Barcelona      16.2.2020

71:56 *            Laura Hottenrott      TV Wattenscheid                              Barcelona      16.2.2020

73:10 *            Domenika Mayer      LG Telis Finanz Regensburg          Barcelona      16.2.2020

73:26 *            Thea Heim                 LG Telis Finanz Regensburg          Barcelona      16.2.2020

74:03               Fabienne Königstein           MTG Mannheim                              Neapel           23.2.2020

* = persönliche Bestzeit

Text und Statistik: race-news-service.com