Zum Hauptinhalt springen

Der doppelte olympische Alptraum: Hendrik Pfeiffer und Katharina Steinruck

Zwei Marathonläufer - und jeweils zweimal wird aus dem olympischen Traum ein Alptraum: Hendrik Pfeiffer und Katharina Steinruck. Sehr unglücklich hatten beide den Start bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio verpasst. Nun waren sie erneut so gut wie gesetzt für den Marathon bei den Spielen in Tokio - bis die Coronavirus-Krise dafür sorgte, dass ein zweites Mal ihr Traum vom olympischen Rennen über die klassischen 42,195 km platzte. Doch Hendrik Pfeiffer und Katharina Steinruck, die beide jeweils auch zwei nicht unkomplizierte Fuß-Operationen hinter sich haben, haben einen langen Atem und hoffen, dass sich im dritten Anlauf 2021 der olympische Traum noch erfüllt und sie das große Karriereziel eines Olympia-Starts erreichen. Die Spiele sollen nach den derzeitigen Planungen im nächsten Jahr nachgeholt werden.

Für Hendrik Pfeiffer platzte der olympische Traum bereits 2016. Foto: www.photorun.net

Für Katharina Steinruck war der Marathon-Olympiastart bereits zum zweiten Mal zum Greifen nahe. Foto: www.photorun.net

Hendrik Pfeiffer und der „Rekord“, den niemand brechen möchte

Hendrik Pfeiffer hat einen „Rekord“ aufgestellt, den niemand brechen möchte: Fünfmal hat sich der Langstreckenläufer des TV Wattenscheid für eine große internationale Meisterschaft qualifiziert. Gestartet ist er im deutschen Trikot nur einmal, musste dabei jedoch bei den Europameisterschaften 2016 im Halbmarathonrennen frühzeitig verletzt aufgeben. Olympia 2016 und die EM 2018 in Berlin verpasste er aufgrund zweier komplizierter Operationen an der Ferse, die EM 2020 fällt aus, und die Olympischen Spiele finden in diesem Jahr nicht statt. Die Weltmeisterschaften 2017 und 2019 waren verletzungsbedingt ohnehin kein Thema. Viel schlimmer kann eine Vier-Jahres-Bilanz kaum ausfallen. Und sie könnte in dieser Form durchaus einmalig sein in der deutschen Leichtathletik-Geschichte.

Der Start beim olympischen Marathon war und ist das ganz große Karriereziel von Hendrik Pfeiffer. Auf die Frage, ob die Enttäuschung jetzt genauso groß ist wie vor vier Jahren, antwortet der 27-Jährige: „Das könnte man denken, aber es ist nicht so. Es fühlt sich jetzt anders an. Es ist natürlich sehr bitter, dass die Spiele im Sommer nicht stattfinden, aber es wäre noch etwas ganz anderes, wenn Olympia komplett abgesagt worden wäre. Die Spiele sind nicht weg, sondern nur verschoben.“

2016 hatte Hendrik Pfeiffer bei seinem Marathon-Debüt in Düsseldorf mit 2:13:11 Stunden sensationell die damalige Olympia-Norm unterboten. Doch schon damals litt er unter Schmerzen im Schienbeinbereich, die schließlich auf ein Problem am rechten Fuß zurückgeführt wurden und böse Folgen hatten: Fersenoperation in Heidelberg statt Olympia-Start in Rio. Beim Marathon-Comeback im Herbst 2017 in Köln qualifizierte sich Hendrik Pfeiffer auf Anhieb für die EM 2018 in Berlin.

Doch auch die Titelkämpfe vor heimischem Publikum verpasste der Journalistik-Student, da eine zweite Operation an der Ferse erforderlich war. Das Problem war erneut aufgetreten. Dieses Mal fand man schließlich die Ursache. Mit speziellen Einlagen und einer Einkerbung in der Fersenkappe seiner Schuhe läuft Hendrik Pfeiffer seitdem schmerzfrei. In Sevilla unterbot er im Februar überraschend deutlich die internationale Olympia-Norm von 2:11:30 Stunden: Mit 2:10:18 wurde der Wattenscheider zum achtschnellsten deutschen Marathonläufer aller Zeiten - gerade noch rechtzeitig vor der Corona-Pandemie.

„Es ist jetzt ein verlorenes Jahr für mich. Mit 27 Jahren hätte dies eigentlich einer der besten  Abschnitte meiner Karriere sein können. Wenigstens bin ich noch in Sevilla gelaufen“, sagt Hendrik Pfeiffer, dem nach seiner deutlichen Steigerung nun mangels Wettkämpfen höhere Antrittsgelder und Prämien verloren gehen als früher. „Mir fehlt eine Summe im fünfstelligen Bereich“, sagt der Marathonläufer. Trotz des Verlustes ist Hendrik Pfeiffer nicht in finanzielle Not geraten, da er parallel zum Sport im PR-Bereich für das Duisburger Unternehmen Klöckner tätig ist. „Da bin ich zurzeit im Home-Office stärker eingebunden als vorher, weil ich verfügbar bin“, erzählt Hendrik Pfeiffer, der noch im März mit seiner Trainingsgruppe in Kenia war.

In der derzeitigen Situation fällt es ihm nicht immer leicht, zu trainieren: „Manche Trainingseinheiten muss ich abbrechen, weil mir einfach die Kraft fehlt - das hatte ich früher so nicht.“ Das große Ziel Olympia 2021 wird Hendrik Pfeiffer aber nicht aus den Augen verlieren.

Katharina Steinruck: „Herumjammern bringt nichts“

Katharina Steinruck ist grundsätzlich ein optimistischer Mensch. Die einzige deutsche Marathonläuferin, die im Qualifikationszeitraum zweimal die internationale Olympia-Norm unterboten hat - 2:27:26 in Frankfurt 2019 und 2:28:48 in Osaka im Januar dieses Jahres - hat längst „den Schalter umgelegt“ und befindet sich wieder im Training. Dabei hofft sie zunächst, dass es im Herbst Wettkämpfe geben wird und setzt dann auf die Olympischen Spiele 2021. „Es war natürlich hart für mich, als klar war, dass Olympia in diesem Sommer nicht stattfinden würde. Aber herumjammern bringt mir nichts“, sagt die 30-jährige Läuferin, die für Eintracht Frankfurt startet.

Ganz so schlimm wie 2016 traf sie der Olympia-Schock dieses Mal jedoch nicht. „2016 war härter für mich. Nach einer Fuß-Operation 2015 hatte ich mich zurück gekämpft. Und dann haben mich äußere Einflüsse gestoppt“, erinnert sich die Tochter der früheren Weltklasse-Marathonläuferin Katrin Dörre.

Nach Bestzeiten im Halbmarathon und über 10 km schien die Qualifikation für den Olympia-Marathon in Rio im Frühjahr 2016 zum Greifen nahe. Doch ungewöhnliche Wetterbedingungen beim Zürich-Marathon Ende April machten alles zunichte. Eiseskälte, Graupel- und Schneefall stoppten Katharina Steinruck, die derart unterkühlt war, dass sie zweimal stürzte und schließlich in Führung liegend aufgeben musste. Keine Topläuferin erreichte in Zürich an jenem Tag das Ziel. 2:30:18 Stunden hätten ausgereicht für das Rio-Ticket. Fünf Monate später lief sie beim Berlin-Marathon 2:28:34, nachdem sie zuvor bei den Europameisterschaften nochmals Pech hatte, weil sie aufgrund einer Lebensmittelvergiftung nicht über Rang 55 hinausgekommen war.

Nachdem Ende 2018 auch der andere Fuß operiert werden musste, war das Ziel wieder, über einen kompletten Neuaufbau die Olympischen Spiele zu erreichen. Katharina Steinruck kam zurück und war so stark wie nie zuvor. Mit ihrer Bestzeit von 2:27:26 Stunden, die sie beim Mainova Frankfurt-Marathon im vergangenen Oktober erreichte, hatte sie beste Chancen auf ihre Olympia-Premiere - 32 Jahre nachdem ihre Mutter bei den Spielen in Seoul Marathon-Bronze gewonnen hatte.

„Ich habe die Situation jetzt mental deutlich besser verkraftet als 2016. Vielleicht kann ich inzwischen besser mit solch einer Enttäuschung umgehen. Vielleicht liegt es auch daran, dass es mich dieses Mal nicht alleine trifft sondern alle anderen auch“, erklärt Katharina Steinruck. „Hinzu kommt, dass ich jetzt ja schon zweimal die Norm gelaufen bin und die Spiele nicht abgesagt wurden - wäre das passiert, wäre das eine andere Geschichte.“ Auch ihre gesamte Lage während der Coronavirus-Pandemie weiß sie zu schätzen. „Finanziell und bezüglich der Trainingsbedingungen trifft es andere sicherlich viel härter. Ich bin dankbar, dass ich meinen Job bei der Hessischen Polizei habe“, sagt Katharina Steinruck, die zur Sportfördergruppe der Polizei gehört und deren Mann Robert ebenfalls als Polizist arbeitet.

„Es hilft nicht, immer wieder zu überlegen, ,was wäre wenn’“, sagt Katharina Steinruck, die nun die Zeit nutzen will, um mit Blick auf Olympia 2021 auf der guten Form weiter aufzubauen. 

Text: race-news-service.com