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Österreichs Marathon-Sensation Peter Herzog: „Breaking 2“ und ein „Eiskeller“

Vom Hobbyläufer zum österreichischen Marathon-Rekordler: Binnen nur acht Jahren hat Peter Herzog diese sensationelle Entwicklung gemacht. In München war er 2012 sein erstes Rennen über die 42,195 km gelaufen - in 3:25:01 Stunden. In London stellte der 33-Jährige am vergangenen Sonntag trotz widriger Witterungsbedingungen einen nationalen Rekord auf: mit einer Zeit von 2:10:06. Damit schaffte Peter Herzog im Pandemie-Jahr trotz stark eingeschränkter Wettkampfmöglichkeiten seine ganz persönlichen „Breaking 2“: Im Juli hatte er in Berlin mit einer Zeit von 13:54 Minuten bereits mit einem österreichischen Rekord über 5 km überrascht. Nun folgte Rekord Nummer zwei am Londoner Buckingham Palast.

Peter Herzog auf dem Weg zum österreichischen Rekord in London. Foto: Virgin Money London Marathon

Peter Herzog kann sein Glück im Ziel in London noch nicht fassen. Foto: Virgin Money London Marathon

Mit einer Schneefräse musste Peter Herzog im Winter 2018 eine Laufbahn in Saalfelden vom Schnee befreien, um trainieren zu können. Foto: privat

„Breaking 2“ - das ist natürlich der im zweiten Versuch in Wien vor einem Jahr geglückte Marathon-Sensationslauf von Eliud Kipchoge unter zwei Stunden (1:59:40,2). Doch ein paar Ebenen tiefer zeigte auch Peter Herzog eine unglaubliche Entwicklung, bei der wiederum Wien eine entscheidende Rolle spielte. Es war der Veranstalter des Vienna City Marathons, Wolfgang Konrad, der den aufstrebenden Läufer finanziell unterstützte und ihm zudem mit der Sportshop-Kette Herviseinen Sponsor vermittelte, so dass für Peter Herzog der Schritt zum professionellen Läufer im Herbst 2018 erst möglich wurde. Im Frühling 2019, nach dem Wien-Marathon, wechselte Peter Herzog zum Salzburger Trainer Hannes Langer, der ihn nun zum österreichischen Rekord führte. Langer ist auch der Organisator des Salzburg-Marathons und war in der Vergangenheit auch für den Vienna City Marathon tätig.

„Ich hätte nicht geglaubt, dass dieser Tag so für mich und für den österreichischen Laufsport so  ausgehen könnte“, wird Peter Herzog auf der Webseite des Vienna City Marathons www.vienna-marathon.com zitiert. Dass er in dem limitierten Feld in London einen Startplatz erhalten hat - vermittelt hatte ihm diesen Mark Milde, der in Berlin und Wien die Marathon-Elitefelder zusammenstellt -, war eine große Motivation für ihn, nachdem die Corona-Pandemie alle großen Rennen inklusive der Olympischen Spiele gestoppt hatte.

Seine Form war hervorragend, die angekündigten nassen Bedingungen sorgten im Vorfeld jedoch für Zweifel. „Das Wetter hat es uns nicht leicht gemacht. Es hat die letzten Tage schon geschüttet und geblasen, es war unglaublich schwierig, das auch im Kopf auch zu verarbeiten. Ich habe gewusst, ich bin wahrscheinlich noch einmal etwas stärker als im letzten Jahr. Das hat mich zugleich aber mit den Bedingungen der letzten Tage zweifeln lassen, ob ich es da so umsetzen kann. Dass dann so eine Leistung herauskommt, das ist genial", erklärte Peter Herzog, der mit seiner Familie in Saalfelden lebt und seit dem Trainerwechsel für Union Salzburg startet.

Sehr profitiert hat Peter Herzog von der Tempoarbeit des britischen Superstars Mo Farah, der eine größere Gruppe nach einer Halbmarathon-Zwischenzeit von 65:19 Minuten noch bis zur 30-km-Marke führte. Damit hatte er eine perfekte Ausgangsposition, um den österreichischen Rekord, den Lemawork Ketema beim Wien-Marathon 2019 mit 2:10:44 Stunden aufgestellt hatte, anzugreifen. Peter Herzog schaffte es dann sogar, die zweite Hälfte mit 64:47 noch schneller zu laufen als die erste. Nach seinen 2:10:06 von London dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, wann er bei einem Rennen mit besseren Wetterbedingungen als erster Österreicher unter 2:10 Stunden laufen wird.

„Peter hat in den letzten Monaten in den Formaufbau unglaublich viel investiert. Den Lohn hat er sich in London abgeholt, auch wenn die Bedingungen sein Potenzial bezüglich Endzeit nicht ganz zur Entfaltung bringen ließen. Er ist unserer Taktik gefolgt und sehr clever gelaufen“, sagte Trainer Johannes Langer.

Peter Herzog ist alles andere als den üblichen Weg in den Spitzensport gegangen. Er war nicht in einem Leichtathletik-Verein sondern kam als Hobbyläufer über einen Start beim München-Marathon zum Langstreckenlauf. Sportlich war er immer. Peter Herzog machte Skitouren in den Alpen, startete bei Wettkämpfen im Trial-Bike und versuchte sich im Triathlon, war aber ein sehr schlechter Schwimmer.

Ein Freund überredete ihn dann, mit ihm den München-Marathon zu laufen. 2012 lief er dort nach 3:25:01 Stunden ins Ziel. Zwei Jahre später lief er in München bereits 2:39:51 Stunden und merkte, dass da noch mehr geht. Zwei Jahre später steigerte er sich beim Mainova Frankfurt-Marathon bereits auf 2:21:13, 2017 erreichte er dann in Berlin 2:17:37. Bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften 2018 in Valencia belegte er als bester Österreicher Rang 53 und lief eine Bestzeit von 63:22 Minuten, dann qualifizierte er sich beim Vienna City Marathon mit 2:16:57 für den Europameisterschafts-Marathon in Berlin. Dort zeigte er mit einem zehnten Platz und einer weiteren Steigerung auf 2:15:29, dass er auch bei Hitze sehr gut laufen kann. Zusammen mit Lemawork Ketema und Christian Steinhammer gewann er dabei die Bronzemedaille für Österreich in der Teamwertung.

Diese beachtliche Entwicklung war ihm als Halbprofi gelungen, denn Peter Herzog arbeitete bis zu diesem Zeitpunkt an einem Gymnasium in Saalfelden als Biathlon-Nachwuchstrainer. Erst seit zwei Jahren betreibt er den Sport professionell. Er gehört seitdem zum Österreichischen Bundesheer (vergleichbar mit der Sportfördergruppe der Bundeswehr) und war durch die Unterstützung des Vienna City Marathons in der Lage, seinen Job aufzugeben und sich voll auf das Laufen zu konzentrieren. Unter Trainer Johannes Langer machte er dann den nächsten großen Schritt in Berlin vor einem Jahr: Mit 2:10:57 unterbot Peter Herzog die Marathon-Olympianorm. Jetzt folgte der österreichische Rekord in London.

Im Gegensatz zu vielen kam Peter Herzog mit den unangenehm nasskalten Bedingungen am vergangenen Sonntag relativ gut klar. Dies könnte auch damit zusammen hängen, dass er in den Alpen wohnt und dort im Winter manches Mal schon bei sehr widrigen Bedingungen trainieren musste. Um sich auf den Vienna City Marathon 2018 vorbereiten zu können, fräste er im damaligen Winter in Saalfelden eine 400-m-Laufbahn frei, die von rund einem Meter Schnee bedeckt war. Wer in einem „Eiskeller“ trainiert, den kann auch ein britisches Unwetter nicht stoppen.

Die Marathon-Entwicklung von Peter Herzog

2012                3:25:01            München

2014                2:39:51            München

2016                2:21:13            Frankfurt

2017                2:17:37            Berlin

2018                2:15:29            Berlin (EM)

2019                2:10:57            Berlin

2020                2:10:06            London

Text: race-news-service.com / Jörg Wenig und Andreas Maier