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Joshua Cheptegei und Letesenbet Gidey brechen Weltrekorde

Gleich zwei Langstrecken-Weltrekorde fielen am Mittwochabend in Valencia: Joshua Cheptegei (Uganda) triumphierte nicht unerwartet über 10.000 m während Letesenbet Gidey (Äthiopien) sensationell zu einer neuen globalen Bestmarke über 5.000 m stürmte.

Letesenbet Gidey überraschte in Valencia mit einem Weltrekord über 5.000 m. Foto: www.photorun.net

Joshua Cheptegei ist der zehnte Läufer in der Leichtathletik-Geschichte, der zeitgleich die Weltrekorde über 5.000- und 10.000 m hält. Foto: www.photorun.net

Joshua Cheptegei war in Valencia nach 26:11,00 Minuten im Ziel und hatte damit den 15 Jahre alten Weltrekord von Kenenisa Bekele deutlich um rund sechseinhalb Sekunden unterboten. Der äthiopische Superstar war 2005 in Brüssel 26:17,53 gelaufen. Letesenbet Gidey stürmte im 5.000-m-Rennen nach 14:06,62 Minuten ins Ziel. Damit hatte sie den Weltrekord ihrer prominenten Landsfrau Tirunesh Dibaba um über vier Sekunden verbessert. Die dreifache Olympiasiegerin war 2008 in Oslo 14:11,15 gelaufen.

Für den erst 24-jährigen Cheptegei war es in diesem Jahr im dritten Rennen der dritte Weltrekord: Im Februar war er über 5 km in Monte Carlo 12:51 Minuten gelaufen und im August stellte er am selben Ort mit 12:35,36 auch eine Bestmarke über 5.000 m auf. Erstmals seit 24 Jahren ist es einem Athleten gelungen, der nicht aus Äthiopien oder Kenia kommt, den 10.000-m-Weltrekord zu brechen. 1996 war der Marokkaner Salah Hissou in Brüssel 26:38,08 Minuten gelaufen. Joshua Cheptegei ist der zehnte Läufer in der Leichtathletik-Geschichte, der die Weltrekorde über 5.000 und 10.000 m gleichzeitig hält. Er steht in dieser Hinsicht nun in einer Reihe mit Legenden wie Paavo Nurmi, Emil Zatopek oder Haile Gebrselassie und Kenenisa Bekele.

Joshua Cheptegei lief in Valencia fast durchweg 400-m-Runden von 63 Sekunden. Tempomacher führten ihn dabei im ersten Teil des Rennens. Der dritte „Hase“, Nicolas Kimeli, erreichte dann die 5.000-m-Marke in 13:07,73 Minuten. Damit lag Cheptegei genau auf Kurs für den Weltrekord. Der Kenianer ging jedoch kurz danach zur Seite, weil er das enorme Tempo nicht mehr halten konnte. Somit musste der Läufer aus Uganda fast genau die Hälfte der Distanz alleine absolvieren. Doch Joshua Cheptegei zeigte keinerlei Schwächen, lief immer wieder Runden im Bereich von 63 Sekunden und konnte auf dem letzten Kilometer sogar noch etwas zulegen.

„Es ist großartig, es ist ein Traum für mich, eine historische Leistung. Ich wollte die Erwartungen erfüllen und zeigen, dass die Leichtathletik auch in diesem Jahr attraktiv ist. In Zeiten der Corona-Pandemie macht uns ein solches Event Hoffnung. Wir wollen alle bei aller Vorsicht wieder zurück in die Normalität. Um das zu erreichen, müssen sich alle an die Regeln halten“, sagte Joshua Cheptegei, der über die Langstrecken zurzeit das Maß der Dinge ist und das Potenzial hat, vielleicht sogar der beste Läufer aller Zeiten zu werden - das ist auch sein Ziel. „Dies war heute ein Schritt auf dem Weg dorthin“, sagte Joshua Cheptegei, der in zehn Tagen bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften in Gdynia (Polen) starten wird. Obwohl er noch nie ein Rennen über die 21,0975 km gelaufen ist, gehört er bei der WM nach dieser Leistung in Valencia zu den ganz großen Favoriten.

Sein riesiges Potenzial über die längeren Strecken hat Cheptegei bereits mehrfach gezeigt. Im vergangenen Jahr gewann er über 10.000 m den WM-Titel und erzielte dabei mit 26:48,36 Minuten seine bisherige persönliche Bestzeit, zudem triumphierte er 2019 bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften. 2018 hatte Joshua Cheptegei bereits eine Weltbestzeit über 15 km aufgestellt (41:05 Minuten). Im vergangenen Dezember lief er einen Weltrekord über 10 km (26:38), der aber danach wieder unterboten wurde.

Aufgrund seiner Leistungen zuvor war es keine große Überraschung mehr, dass Joshua Cheptegei in Valencia Weltrekord lief. Dass dies aber unmittelbar zuvor im 5.000-m-Rennen der Frauen auch der erst 22-jährigen Letesenbet Gidey gelang, damit war nicht zu rechnen. Die Äthiopierin profitierte dabei auch von einer hochkarätigen Tempomacherin: Die kenianische Weltrekordlerin über 3.000 m Hindernis, Beatrice Chepkoech, führte Letesenbet Gidey bis zur 3.000-m-Marke. Mit einer Zwischenzeit von 8:31,87 Minuten an diesem Punkt hatte die Äthiopierin bereits einen guten zeitlichen Vorsprung im Rennen um den Weltrekord. Erst ganz am Ende wurde sie etwas langsamer, doch die Bestmarke unterbot sie deutlich. Mit einer Weltrekordzeit von 14:06,62 Minuten sind die Frauen nun nur noch knapp sieben Sekunden von einer Zeit unter 14 Minuten entfernt.

„Für mich ist ein großer Traum in Erfüllung gegangen. Ich freue mich riesig, dass ich den Rekord von Tirunesh Dibaba brechen konnte“, sagte Letesenbet Gidey, die vor einem Jahr bei den Weltmeisterschaften in Doha die Silbermedaille über 10.000 m gewonnen hatte. Ihre 5.000-m-Bestzeit stand bisher bei 14:23,14 Minuten.

Läufer die zeitgleich sowohl den 5.000- als auch den 10.000-m-Weltrekord hielten

1922    Paavo Nurmi (Finnland)

1939    Taisto Mäki (Finnland)

1954    Emil Zatopek (Tschechoslowakei)

1957    Vladimir Kuts (Sowjetunion)

1965    Ron Clarke (Australien)

1972    Lasse Viren (Finnland)

1978    Henry Rono (Kenia)

1995    Haile Gebrselassie (Äthiopien)

2004    Kenenisa Bekele (Äthiopien)

2020    Joshua Cheptegei (Uganda)

Die Jahreszahlen beziehen sich auf den Zeitpunkt, zu dem die jeweiligen Läufer erstmals beide Rekorde hielten.

Text: race-news-service.com