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Die Marathon-Bilanz der Männer 2020: Zehn Zeiten unter 2:05 und ein deutscher Rekord

Nach dem besten Marathon-Jahr aller Zeiten folgte 2020 die Corona-Pandemie, die den Laufsport weitgehend lahm legte. Es wäre ansonsten sicherlich ein weiteres ganz großes Marathon-Jahr geworden. Doch was am Ende übrig blieb, kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Obwohl in den vergangenen zwölf Monaten nur wenige international wirklich hochkarätige Rennen über die klassische Distanz gestartet wurden, gab es ein paar absolute Weltklassezeiten. Während der Kenianer Evans Chebet im Dezember in Valencia die Jahresweltbestzeit von 2:03:00 Stunden erreichte, sorgte auf nationaler Ebene Amanal Petros mit seinem überraschenden deutschen Rekord von 2:07:18 am Nikolaustag in Spanien für Furore.

Evans Chebet lief in Valencia die Jahresweltbestzeit von 2:03:00 Stunden. Foto: Valencia-Marathon

Hendrik Pfeiffer lief neben dem neuen deutschen Marathon-Rekordler Amanal Petros und Richard Ringer eine Zeit von unter 2:11 Stunden. Eine solche Dichte in diesem Bereich gab es in Deutschland zuletzt 1985. Foto: www.photorun.net

Eine einmalige Serie konnte aufgrund der Corona-Krise keine Fortsetzung finden: Neunmal in Folge wurde die Jahresweltbestzeit im Männer-Marathon in Berlin gelaufen, von 2011 bis 2019. Da sich die Veranstalter des Rennens während der Pandemie gegen die Ausrichtung eines reinen Elite-Marathons entschieden, endete diese Berliner Triumph-Serie zwangsläufig. Erstmals stammt eine Marathon-Jahresweltbestzeit nun aus Valencia. Das aufstrebende Rennen, das enorme finanzielle Unterstützung erfährt und über einen sehr schnellen Kurs verfügt, war einer der wenigen Marathonläufe, die als reines Eliterennen stattfanden. Nachdem in den ersten paar Monaten des Jahres noch einige Läufe regulär gestartet wurden, gab es einen mit Valencia vergleichbaren Marathonlauf im Herbst nur noch in London. Dort jedoch herrschten im Oktober schlechte Wetterbedingungen, so dass die Ergebnisse aus Spanien die Jahresweltrangliste prägen.

Immerhin zehn Zeiten von unter 2:05 Stunden wurden 2020 erreicht. Vier dieser Zeiten waren schneller als 2:04 - und alle diese Ergebnisse kommen aus Valencia. Nie zuvor erzielten in einem Rennen vier Athleten Zeiten von unter 2:04. In der Top-15-Liste des Jahres ist Valencia gleich mit neun Ergebnissen vertreten. Der einzige Läufer, der 2020 sogar zwei absolute Topzeiten erreichte, ist Birhanu Legese. Der Äthiopier gewann zunächst den Tokio-Marathon im März in 2:04:15 Stunden und belegte dann Rang drei in Valencia mit 2:03:16. Noch etwas war einmalig in Valencia: 30 Läufer rannten schneller als 2:10 Stunden.

Für Kenias Superstar Eliud Kipchoge war es dagegen ein Jahr zum vergessen: Der Weltrekordler und Olympiasieger hatte sich vollkommen auf den London-Marathon konzentriert, wo er jedoch mit der nasskalten Witterung nicht zurecht kam. Erstmals seit 2013 und erst zum zweiten Mal überhaupt in seiner Marathon-Karriere konnte Eliud Kipchoge ein Marathonrennen nicht gewinnen. Als Achter lief er nach 2:06:49 Stunden ins Ziel und findet sich damit auf Platz 47 in der Jahresweltbestenliste wieder.

Während Peter Herzog trotz der schlechten Londoner Bedingungen mit einem österreichischen Rekord von 2:10:06 Stunden überraschte, fiel zwei Monate später auch die deutsche Bestmarke völlig unerwartet: Amanal Petros (TV Wattenscheid) nutzte die perfekten Bedingungen in Valencia und lief mit 2:07:18 genau 75 Sekunden schneller als Arne Gabius (Therapie Reha Bottwartal) fünf Jahre zuvor in Frankfurt. Amanal Petros schob sich in der Liste der schnellsten europäischen Marathonläufer aller Zeiten damit immerhin auf Rang 16.

Der Aufwärtstrend im deutschen Männer-Marathon, der sich angekündigt hatte, produzierte trotz des Corona-Jahres zwei weitere Zeiten unter 2:11 Stunden: Hendrik Pfeiffer (TV Wattenscheid) steigerte sich im Februar in Sevilla auf beachtliche 2:10:18, und Richard Ringer (LC Rehlingen) lief mit 2:10:59 in Valencia ein sehr gutes Marathondebüt. Man muss sehr weit zurückblättern, um herauszufinden, wann zuletzt drei deutsche Marathonläufer in einem Jahr Zeiten unter 2:11 erreicht haben: Es war 35 Jahre her! 1985 lief Michael Heilmann in Hiroshima 2:09:03, Christoph Herle rannte in London 2:09:23 und Ralf Salzmann erreichte in Chicago 2:10:56.

Philipp Pflieger (LT Haspa Marathon Hamburg), der sich in Valencia auf 2:12:15 steigerte, und Tom Gröschel (TC Fiko Rostock/Bestzeit: 2:13:49) sind Athleten, die sich noch deutlich verbessern können. Und Arne Gabius hat in seinem voraussichtlich letzten Profi-Jahr die Olympia-Qualifikation noch nicht aufgegeben. Dafür müsste er nach dem derzeitigen Stand schneller laufen als Richard Ringer. 2021 könnte trotz Corona ein weiteres gutes Jahr werden für den deutschen Männer-Marathon.

Die Jahres-Bestenlisten 2020

International:

2:03:00          Evans Chebet                      KEN    Valencia        6.12.

2:03:04          Lawrence Cherono             KEN    Valencia        6.12.

2:03:16          Birhanu Legese                   ETH    Valencia        6.12.

2:03:30          Amos Kipruto                      KEN    Valencia        6.12.

2:04:12          Reuben Kipyego                 KEN    Valencia        6.12.

2:04:15          Birhanu Legese                   ETH    Tokio              1.3.

2:04:46          Mekuant Gebre                   ETH    Sevilla            23.2.

2:04:49          Bashir Abdi                          BEL    Tokio              1.3.

2:04:51          Sisay Lemma                       ETH    Tokio              1.3.

2:04:53          Deso Gelmisa                      ETH    Valencia        6.12.

2:05:05          Barnabas Kiptum                KEN    Sevilla            23.2.

2:05:05          Abel Kirui                             KEN    Valencia        6.12.

2:05:15          Abebe Degefa                     ETH    Valencia        6.12.

2:05:29          Suguru Osako                     JPN    Tokio              1.3.

2:05:29          Leul Gebrsilase                   ETH    Valencia        6.12.

 

Deutschland:

2:07:18          Amanal Petros         TV Wattenscheid                 Valencia        6.12.

2:10:18          Hendrik Pfeiffer        TV Wattenscheid                 Sevilla            23.2.

2:10:59          Richard Ringer         LC Rehlingen                       Valencia        6.12.

2:12:15          Philipp Pflieger         LT Haspa Marathon Hamburg Valencia 6.12.

2:14:25          Arne Gabius             Therapie Reha Bottwartal  London          4.10.

2:14:38          Johannes Motschmann      SCC Events Pro-Team Berlin       Wien   13.12.

2:18:53          Alexander Hirschhäuser    ASC 1990 Breidenbach     Bernöwe        25.10.

Die schnellsten je gelaufenen Zeiten

2:01:39          Eliud Kipchoge         KEN   Berlin                         16.9.2018

2:01:41          Kenenisa Bekele     ETH    Berlin                         29.9.2019

2:02:37         Kipchoge (2)                        London                      28.4.2019

2:02:48          Birhanu Legese       ETH    Berlin                         29.9.2019

2:02:55          Mosinet Geremew   ETH    London                      28.4.2019

2:02:57          Dennis Kimetto        KEN   Berlin                          28.9.2014

2:03:00          Evans Chebet          KEN   Valencia                      6.12.2020

2:03:03          Bekele (2)                             Berlin                         26.9.2016

2:03:04          Lawrence Cherono  KEN   Valencia                    6.12.2020

2:03:05          Kipchoge (3)                        London                      24.4.2016

2:03:13          Emmanuel Mutai     KEN   Berlin                         28.9.2014

2:03:13          Wilson Kipsang        KEN   Berlin                         26.9.2016

Auf der nicht rekord-konformen Strecke des Boston-Marathons (Punkt-zu-Punkt-Kurs) lief am 18.4.2011 Geoffrey Mutai (KEN) 2:03:02 Stunden, sein Landsmann Moses Mosop war Zweiter mit 2:03:06.

Die schnellsten Deutschen aller Zeiten

2:07:18          Amanal Petros (Wattenscheid)      Valencia        6.12.2020

2:08:33          Arne Gabius (Stuttgart)                  Frankfurt        25.10.2015

2:08:47          Jörg Peter (Dresden)                      Tokio              14.02.1988

2:09:03          Michael Heilmann (Berlin)              Hiroshima      14.04.1985

2:09:23          Christoph Herle (Waldkraiburg)    London          21.041985

2:09:45          Stephan Freigang (Cottbus)          Berlin             30.09.1990

2:09:55          Waldemar Cierpinski (Halle)          Montreal        31.07.1976

2:10:01          Ralf Salzmann (Kassel)                   Tokio              14.02.1988

2:10:18          Hendrik Pfeiffer (Wattenscheid)    Sevilla            23.02.2020

2:10:22          Carsten Eich (Fürth)                       Hamburg       25.04.1999

Text und Statistik: race-news-service.com