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Richard Ringers 2:08:49 noch lange nicht das Ende der Fahnenstange

Am Mittwoch sind es noch 100 Tage bis zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Tokio. Während der Kampf um die jeweils drei Startplätze im Marathon trotzdem noch nicht abgeschlossen ist, kann Richard Ringer allerdings seit Sonntag sehr sicher davon ausgehen, dass er zum deutschen Olympia-Team zählen wird.

Richard Ringer kann für eine zweite Olympia-Teilnahme planen. 2016 startete er bereits über 5.000 m in Rio. Foto: www.photorun.net

Der 32-jährige Läufer des LC Rehlingen steigerte sich in Siena auf 2:08:49 Stunden und wurde damit zum viertschnellsten deutschen Marathonläufer aller Zeiten. Vor ihm stehen in dieser Liste nur Amanal Petros (2:07:18) sowie die früheren deutschen Rekordhalter Arne Gabius (2:08:33) und Jörg Peter (2:08:47).

Es war erst der zweite Marathonlauf von Richard Ringer, und 2:08:49 Stunden sind bei weitem noch nicht das Ende der Fahnenstange. Mit 2:10:59 war er im Dezember in Valencia ein gutes Debüt gelaufen. „Ich denke, dass es zwei Jahre dauert, um im Marathon richtig anzukommen“, sagt Richard Ringer, der mit seiner Freundin, der österreichischen Langstreckenläuferin Nada Ina Pauer, in Unteruhldingen am Bodensee wohnt. „In den vier Monaten seit dem Valencia-Marathon habe ich einen ordentlichen Sprung gemacht. Besonders viel gebracht hat dabei das sechswöchige Trainingslager in Kenia.“

Dass Richard Ringer schon jetzt schneller laufen könnte als 2:08:49 zeigt sich an der Geschwindigkeit, die er im Schlussteil des Rennens noch entwickeln konnte. Den 10-km-Abschnitt von 30 zu 40 km lief er in 29:47 Minuten. Man kann diese Zwischenzeit natürlich nicht einfach so auf die 42,195 km übertragen, aber es wäre ein Tempo für eine Endzeit von unter 2:06 Stunden. Wie der Berliner Physik-Professor und Laufsport-Experte Helmut Winter errechnete (es gab keine offiziellen 40-km-Zwischenzeiten), lief Richard Ringer die letzten 2,195 km in 6:13 Minuten und damit sogar vier Sekunden schneller als der Sieger Eric Kiptanui (Kenia/2:05:47) auf diesem Abschnitt.

Aber nicht nur die aktuelle Form sondern auch der bisher eher noch moderate Trainingsumfang sprechen für weiteres Potenzial im Marathon. „Vor Valencia habe ich im Schnitt 140 Kilometer pro Woche trainiert, jetzt waren es vor Siena 155“, erzählt Richard Ringer, der von Wolfgang Heinig betreut wird. „Mit den langen Trainingsläufen habe ich noch zu kämpfen. Da lässt sich noch einiges ausbauen.“ Was er sich in der Zukunft zutraut bei einem schnellen City-Marathon? „Ich glaube, ein Drei-Minuten-Tempo zu laufen ist nichts, was ewig weit weg ist“, sagt Richard Ringer. Dies würde einer Zeit von rund 2:06:30 Stunden entsprechen.

Mit seiner sehr guten Grundschnelligkeit ist der 5.000-m-EM-Dritte von 2016 und 10.000-m-Europacup-Sieger von 2018 gut positioniert, um derartige Zeiten im Marathon zu erreichen. Obwohl der Marathon nun im Mittelpunkt steht, will Richard Ringer auch weiterhin bei Bahnrennen antreten. „Ich möchte weiter an meiner Schnelligkeit arbeiten und plane, in der Sommersaison über 10.000 und 5.000 Meter zu laufen. Bezüglich der EM in München im nächsten Jahr könnte sich eventuell ein 10.000-m-Start anbieten“, sagt Richard Ringer, der nach einer kurzen Erholungsphase bereits am 5. Mai einen Halbmarathon laufen wird. Dies ist ein Testrennen im japanischen Sapporo, wo auch die Olympia-Marathonläufe stattfinden. Eine größere Anzahl von Topathleten wurden dafür eingeladen. Sie können somit die Gegebenheiten schon einmal testen.

Während das Rennen in Siena aufgrund der starken Tempoverschärfung von Richard Ringer im Schlussteil prinzipiell darauf hindeutet, dass der 32-Jährige auch in einem großen Meisterschaftsrennen mit oft ähnlichen Rennverläufen eine gute Rolle spielen könnte, ist er hinsichtlich des Olympia-Marathons zurückhaltend: „Taktische Rennen kommen mir zwar eigentlich eher entgegen, aber ich bin kein Hitzeläufer“, sagt Richard Ringer, der sich mit seinem Trainer noch absprechen wird bezüglich der Vorbereitung auf hohe Temperaturen. Die großen City-Marathonrennen sind zukünftig sicherlich eine interessante und zudem lukrative Alternative.

Die zehn schnellsten Deutschen aller Zeiten   
    
02:07:18Amanal Petros (Wattenscheid)Valencia06.12.20
02:08:33Arne Gabius (Stuttgart)Frankfurt25.10.15
02:08:47Jörg Peter (Dresden)Tokio 14.02.88
02:08:49Richard Ringer (Rehlingen)Siena11.04.21
02:09:03Michael Heilmann (Berlin)Hiroshima 14.04.85
02:09:23Christoph Herle (Waldkraiburg)London 21.04.85
02:09:45Stephan Freigang (Cottbus)Berlin30.09.90
02:09:55Waldemar Cierpinski (Halle)Montreal31.07.76
02:10:01Ralf Salzmann (Kassel)Tokio14.02.88
02:10:18Hendrik Pfeiffer (Wattenscheid)Sevilla23.02.20

Text: race-news-service.com