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Olympia aktuell: Peres Jepchirchir gewinnt Marathon-Gold, Melat Kejeta hervorragende Sechste

Peres Jepchirchir triumphiert in Sapporo. Foto: www.photorun.net

Melat Kejeta (Vierte von links) lief lange Zeit in der Spitzengruppe. Foto: www.photorun.net

Deborah Schöneborn lief ein starkes Rennen und belegte Rang 18. Foto: www.photorun.net

Die neue Marathon-Olympiasiegerin heißt Peres Jepchirchir. Die Kenianerin gewann das Rennen in Sapporo bei feucht-heißen Wetterbedingungen mit Temperaturen zwischen 26 und 30 Grad Celsius in 2:27:20 Stunden vor ihrer Landsfrau Brigid Kosgei. Die Marathon-Weltrekordlerin war nach 2:27:36 als Zweite im Ziel. Als Dritte überraschte die US-Amerikanerin Molly Seidel, die 2:27:46 lief. Die Halbmarathon-Weltmeisterin Peres Jepchirchir war eigentlich nur die Nummer drei im kenianischen Team, doch sie kam mit den extremen Wetterbedingungen am besten zurecht. Einen hervorragenden sechsten Platz erreichte Melat Kejeta (Laufteam Kassel). In ihrem erst zweiten Marathonrennen lief sie nach 2:29:16 ins Ziel. Diese Leistung ist genauso hoch zu bewerten wie ihr sensationeller zweiter Platz bei der Halbmarathon-WM im vergangenen Oktober. Es ist die beste Olympia-Platzierung einer deutschen Marathonläuferin seit dem vierten Rang von Katrin Dörre-Heinig 1996 in Atlanta.

 

Auf einen überraschend starken 18. Platz lief Deborah Schöneborn (LG Nord Berlin) mit 2:33:08. Ebenso wie Melat Kejeta lief sie erstmals einen Meisterschafts-Marathon. Überzeugen konnte auch die dritte deutsche Marathonläuferin in Japan: Katharina Steinruck (Eintracht Frankfurt) lief auf Rang 31 in 2:35:00.

Das Rennen war ganz kurzfristig aufgrund deutlich höherer Temperaturen als erwartet um eine Stunde vorverlegt worden. Gestartet wurde in Sapporo bereits um 6 Uhr morgens. Das Anfangstempo war, wie meistens bei Meisterschaftsrennen im Sommer, lange Zeit verhalten. Eine große Spitzengruppe mit 44 Läuferinnen passierte die 10-km-Marke in 36:16 Minuten. Das entspricht einem Tempo für eine Zielzeit von rund 2:33 Stunden. Neben Melat Kejeta lief etwas weiter hinten auch Katharina Steinruck in dieser Gruppe. Deborah Schöneborn, die in Sapporo erst ihren dritten Marathon rannte, lief wie angekündigt etwas vorsichtiger. Sie passierte diese Marke in 36:32 und lag damit zu diesem Zeitpunkt auf Rang 60.

Kurz vor der Halbmarathonmarke hatte sich eine elfköpfige Spitzengruppe formiert, nachdem sich das Feld an einer Verpflegungsstation auseinander gezogen hatte. Melat Kejeta lief zu diesem Zeitpunkt locker in der Gruppe mit, hielt sich aber taktisch clever zurück. 1:15:14 Stunden war hier die Durchgangszeit von der Spitzengruppe. Katharina Steinruck passierte diesen Punkt in 1:16:09 auf Rang 36 und Deborah Schöneborn hatte sich auf Platz 43 geschoben (1:16:36).

Die erste große Favoritin konnte kurz vor 30 km nicht mehr mithalten: Überraschend verlor die Weltmeisterin Ruth Chepngetich den Kontakt zur Führungsgruppe. Wenige Kilometer später gab die Kenianerin, die vor zwei Jahren bei der WM in Doha sehr gut mit der Hitze klargekommen war, das Rennen sogar auf. 1:46:04 Stunden war die Zwischenzeit der Spitzengruppe bei 30 km. Das Tempo der achtköpfigen Gruppe war jetzt etwas höher. Bei Kilometer 33 fiel dann Melat Kejeta als nächste Läuferin zurück. Auch die Japanerin Mao Ichiyama und die Äthiopierin Roza Dereje sowie Eunice Chumba (Bahrain) konnten auf den nächsten zwei Kilometern nicht mehr Schritt halten. Als die Kenianerinnen Peres Jepchirchir und Brigid Kosgei dann fünf Kilometer vor dem Ziel das Tempo verschärften, lösten sie sich von Molly Seidel und Lornah Salpeter (Israel). Die ursprünglich aus Kenia stammende Salpeter versuchte kurzzeitig, die Lücke wieder zu schließen. Offenbar übernahm sie sich dabei, denn sie wurde dann deutlich langsamer. Als Molly Seidel sie vier Kilometer vor dem Ziel überholte, ging Lornah Salpeter sogar aus dem Rennen. Die Amerikanerin hatte dadurch die Bronzemedaille praktisch sicher und kam sogar noch bis auf sechs Sekunden an das Führungsduo heran.

Doch als bei Kilometer 40 Peres Jepchirchir wieder das Tempo erhöhte, war der Kampf um die Medaillen kurz darauf entschieden. Die Halbmarathon-Weltmeisterin war nicht mehr einzuholen für Brigid Kosgei, die aber ihrerseits nun auch wieder einen größeren Vorsprung auf Molly Seidel hatte.

Erst im vergangenen Dezember hatte Peres Jepchirchir mit ihrem Sieg beim Valencia-Marathon den Sprung in die Marathon-Weltspitze geschafft. Sie verbesserte sich auf hochklassige 2:17:16 Stunden. Dies bewegte die kenianischen Funktionäre, sie noch nachträglich für das eigentlich schon feststehende Marathon-Team zu nominieren. Weichen musste schließlich Vivian Cheruiyot, die bei Olympia in Rio 2016 noch die Goldmedaille über 5.000 m gewonnen hatte.

Auch nachdem Melat Kejeta aus der Spitzengruppe herausgefallen war, gab die 28-Jährige alles und machte auf den letzten Kilometern noch zwei Plätze gut. Wenn sie bei ihrem nächsten Marathon-Start auf einer schnellen Strecke läuft, sollte sie in der Lage sein, den deutschen Rekord von Irina Mikitenko (2:19:19) zu unterbieten und als zweite deutsche Läuferin unter 2:20 Stunden zu laufen.

Zwischen Kilometer 25 und 30 hatte Deborah Schöneborn zunächst Katharina Steinruck eingeholt und sich dann von ihr abgesetzt. Bei Kilometer 30 lag die Berlinerin mit 1:48:45 auf Rang 31, danach machte sie mit einem insgesamt sehr gleichmäßigen Lauf noch weitere 13 Plätze gut. Katharina Steinruck lag bei ihrem Olympia-Debüt nach 30 km auf Platz 34 (1:48:53) und konnte sich in der Folge noch etwas verbessern. Insgesamt bestätigten die deutschen Marathonläuferinnen bei den Olympischen Spielen ihren starken Aufwärtstrend.

Ergebnisse:

 

1. Peres Jepchirchir              KEN                2:27:20

2. Brigid Kosgei                     KEN                2:27:36

3. Molly Seidel                       USA                2:27:46

4. Roza Dereje                       ETH                 2:28:38

5. Volha Mazuronak               BLR                2:29:06

6. Melat Kejeta                       GER                2:29:16

7. Eunice Chumba                 BRN                2:29:36

8. Mao Ichiyama                    JPN                 2:30:13

9. Malindi Elmore                   CAN                2:30:59

10. Sinead Diver                    AUS                2:31:14          

12. Fabienne Schlumpf          SUI                 2:31:36          

18. Deborah Schöneborn      GER                2:33:08

31. Katharina Steinruck         GER                2:35:00

51. Martina Strähl                  SUI                 2:39:25

Text: race-news-service.com