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Gidey läuft Weltrekord, Petros deutschen Rekord in Valencia, Abdi bricht Europarekord in Rotterdam

Der Laufsport erlebte einen weiteren großen Rekord-Tag: Letesenbet Gidey sorgte dabei für den Höhepunkt. Die erst 23-jährige Äthiopierin pulverisierte in Valencia den Halbmarathon-Weltrekord mit einer famosen Zeit von 62:52 Minuten. Während der Kenianer Abel Kipchumba das Rennen der Männer in Spanien mit einer Jahresweltbestzeit von 58:07 gewann, brach Amanal Petros (TV Wattenscheid) den deutschen Halbmarathon-Rekord und wurde mit 60:09 Minuten Zwölfter. Beim Rotterdam-Marathon stellte währenddessen der Belgier Bashir Abdi mit 2:03:36 Stunden einen Europarekord auf. Das Rennen der Frauen gewann die Kenianerin Stella Barsosio in 2:22:08.

Amanal Petros hat in Valencia den 28 Jahre alten deutschen Halbmarathon-Rekord gebrochen. Foto: www.photorun.net

Dass Letesenbet Gidey das Potenzial hat, nicht nur den Halbmarathon- sondern in Zukunft auch den Marathon-Weltrekord zu brechen, ist angesichts ihrer Weltrekorde über 5.000 m (14:06,62) und 10.000 m (29:01,03) keine Überraschung. Dass die junge Äthiopierin nun aber bei ihrem ersten Rennen über die 21,0975 km die bisherige Bestzeit gleich um genau 70 Sekunden unterbot, war eine große Überraschung. Zeiten im Bereich von 63:00 Minuten waren bisher nur den Männern vorbehalten.

Den Weltrekord über die Halbmarathon-Distanz hatte zuvor die Kenianerin Ruth Chepngetich gehalten, die in Istanbul im Frühjahr 64:02 Minuten gelaufen war. Kurz vor dem Valencia-Halbmarathon war bekannt geworden, dass der vermeintliche Weltrekord von Yalemzerf Yehualaw (Äthiopien), die im nordirischen Larne im August 63:44 gelaufen war, nicht anerkannt werden konnte, da die Strecke dort um 54 Meter zu kurz war.

Nur in der Anfangsphase des Rennens konnte Yalemzerf Yehualaw bei sehr guten Wetterbedingungen in Valencia noch halbwegs Schritt halten mit Letesenbet Gidey, die bei den Olympischen Spielen in Tokio im Sommer Platz drei im 10.000-m-Finale belegt hatte. Gidey lief superschnelle Zwischenzeiten von 15:00 Minuten (5 km), 29:45 (10 km) und 44:29 (15 km), die in einem Rennen über die beiden längeren Distanzen auch absolute Top-Ergebnisse gewesen wären. Nur um sieben Sekunden verpasste sie in Valencia den 10-km-Weltrekord von 29:38.

Yalemzerf Yehualaw war nun in Valencia Zweite und blieb mit 63:51 ebenfalls noch unter dem alten Weltrekord von Ruth Chepngetich. Als Dritte folgte Sheila Chepkirui (Kenia) mit 64:53. „Ich freue mich riesig, dass ich gleich bei meinem ersten Halbmarathonrennen den Weltrekord gebrochen habe“, sagte Letesenbet Gidey. „Ich wusste aufgrund meiner guten Trainingsleistungen in der Höhe von Addis Abeba, dass ich eine derartige Zeit erreichen kann."

Die Entwicklung des Halbmarathon-Weltrekordes der Frauen

62:52   Letesenbet Gidey (ETH)                    Valencia                      24.10.2021

64:02   Ruth Chepngetich (KEN)                   Istanbul                       4.4.2021

64:31   Ababel Yeshaneh (ETH)                     Ras Al Khaimah/UAE 21.2.2020

64:51   Joyciline Jepkosgei (KEN)                 Valencia                      22.10.2017

64:52   Joyciline Jepkosgei (KEN)                 Prag                            1.4.2017

65:06   Peres Jepchirchir (KEN)                    Ras Al Khaimah/UAE 10.2.2017

65:09   Florence Kiplagat (KEN)                    Barcelona                   15.2.2015

65:12   Florence Kiplagat (KEN)                    Barcelona                   16.2.2014

65:50   Mary Keitany (KEN)                           Ras Al Khaimah/UAE 18.2.2011

66:25   Lornah Kiplagat (NED)                       Udine /ITA                  14.10.2007

66:44   Elana Meyer (RSA)                            Tokio                           15.1.1999

67:59   Elana Meyer (RSA)                            East London / RSA    18.5.1991

68:31   Ingrid Kristiansen (NOR)                    New Bedford /USA    19.3.1989

68:34   Joan Samuelson (USA)                     Philadelphia /USA      16.9.1984

Amanal Petros bricht 28 Jahre alten Rekord von Carsten Eich

Hochklassige war auch das Männerrennen in Valencia. Abel Kipchumba setzte sich dabei mit nur zwei Sekunden vor seinem Landsmann Rhonex Kipruto durch. Mit seiner Siegzeit von 58:07 Minuten erzielte der Kenianer die sechstschnellste je gelaufene Zeit. Die nächstplatzierten Läufer, Rhonex Kipruto (58:09) und Daniel Mateiko (Kenia/58:26), belegen mit ihren Ergebnissen in dieser Alltime-Liste nun die Ränge sieben und zehn. Sieben Athleten erzielten Zeiten von unter 59 Minuten.

Amanal Petros brach in Valencia einen deutschen Uralt-Rekord. Vor 28 Jahren war Carsten Eich eine Zeit von 60:34 Minuten gelaufen, die damals zugleich auch ein Europarekord war. Damit hatte Carsten Eich 1993 überraschend den Berliner Halbmarathon gewonnen. Nach knapp drei Jahrzehnten verbesserte Amanal Petros diese Marke nun in Valencia auf eine Zeit von 60:09 Minuten. Damit belegte er Rang zwölf in diesem hochkarätigen Rennen und war der beste nicht-afrikanische Läufer in Valencia. Der 26-Jährige hatte vor einem Jahr an selber Stelle bereits den deutschen Marathon-Rekord auf 2:07:18 Stunden verbessert.

Amanal Petros ist jetzt der erste deutsche Läufer, der die nationalen Männer-Rekorde im Marathon und im Halbmarathon zeitgleich hält.

Die schnellsten deutschen Halbmarathonläufer aller Zeiten

60:09   Amanal Petros (TV Wattenscheid)                Valencia                      2021

60:34   Carsten Eich (SC DHfK Leipzig)                    Berlin                          1993

61:02   Kurt Stenzel (ASC Darmstadt)                      Grevenmacher/LUX   1988

61:14   Stephan Freigang (LC Cottbus)                    Berlin                          1992

61:18   Michael Fietz (LG Ratio Münster)                  Kosice/CZE                1997

61:20   Homiyu Tesfaye (Eintracht Frankfurt)           Den Haag                   2018

61:33   Richard Ringer (LC Rehlingen)                      Dresden                      2021

61:35   Nils Voigt (TV Wattenscheid)                         Dresden                      2021

61:36   Simon Boch (LG Telis Finanz Regensburg)  Gdynia/POL               2020

61:50   Rainer Wachenbrunner (SC Berlin)               Berlin                          1992

Mit Nils Voigt (TV Wattenscheid) startete in Valencia ein zweiter deutscher Topläufer. Er kam nach einem schnellen Beginn jedoch nicht ins Ziel.

Ergebnisse, Männer:

1. Abel Kipchumba                KEN    58:07

2. Rhonex Kipruto                  KEN    58:09

3. Daniel Mateiko                   KEN    58:26

4. Kennedy Kimutai               KEN    58:28

5. Philemon Kiplimo               KEN    58:34

6. Muktar Edris                      ETH     58:40

7. Mathew Kimeli                   KEN    58:43

8. Kelvin Kiptum                     KEN    59:02

9. Rodgers Kwemoi               KEN    59:16

10. Felix Kipkoech                 KEN    59:28

11. Collins Koros                   KEN    60:06

12. Amanal Petros                 GER    60:09

Frauen:

1. Letesenbet Gidey              ETH     62:52

2. Yalemzerf Yehualaw          ETH     63:51

3. Sheila Chepkirui                 KEN    64:53

4. Brenda Jepleting               KEN    65:44

5. Bosena Mulate                   ETH     66:00

6. Nigsti Haftu                        ETH     66:17

7. Hawi Feysa                        ETH     67:25

8. Sarah Lahti                                    SWE    68:19

9. Fionnuala McCormack      IRL      69:32

10. Camilla Richardsson        FIN      70:51

Johannes Motschmann läuft Bestzeit in Rotterdam

Hochklassige Zeiten gab es auch beim Rotterdam-Marathon. Nur rund zweieinhalb Monate nach seinem überraschenden dritten Platz beim olympischen Marathon in Sapporo gelang Bashir Abdi ein weiterer großer Achtungserfolg. Der aus Somalia stammende Belgier gewann das Rennen und stellte mit 2:03:36 Stunden einen Europarekord auf. Die bisherige Bestmarke von 2:04:16 hatte der aus Kenia stammende Türke Kaan Özbilen vor zwei Jahren in Valencia aufgestellt.

Die Siegzeit von Bashir Abdi war zudem auch ein Streckenrekord. Der Mann, der vor zwei Jahren in Rotterdam den Kursrekord auf 2:04:11 Stunden verbessert hatte, wurde dieses Mal Zweiter: Marius Kipserem (Kenia) lief nach 2:04:04 ins Ziel und stellte damit eine persönliche Bestzeit auf. Als Dritter lief auch der Äthiopier Dawit Wolde mit 2:04:27 noch eine Zeit von unter 2:05 Stunden.

In seinem zweiten Marathonlauf zeigte Johannes Motschmann (SCC Berlin) eine weitere überzeugende Leistung und steigerte sich auf 2:12:18 Stunden. Damit belegte der 27-Jährige als zweitbester Europäer in diesem Rennen Rang elf. Vor einem Jahr war Johannes Motschmann in Wien ein gutes Marathon-Debüt gelaufen und hatte 2:14:38. Mit seiner Steigerung um über zwei Minuten ist er sicherlich ein Kandidat für das deutsche Marathon-EM-Team im Sommer 2022.

Vergleichsweise nicht so spektakulär war das Rennen der Frauen. Hier setzte sich die Kenianerin Stella Barsosio in 2:22:08 Stunden mit sehr großem Vorsprung vor Natalya Lehonkova (Ukraine/2:30:28) und Bornes Kitur (Kenia/2:30:41) durch.

Text: race-news-service.com