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EM-News: Konstanze Klosterhalfen triumphiert über 5.000 m, Jakob Ingebrigtsen macht Doppelsieg perfekt

Konstanze Klosterhalfen hat bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in München überraschend das Finale über 5.000 m gewonnen und ist die erste deutsche Läuferin in der EM-Geschichte, die über diese Distanz eine Medaille gewann. Auch über die 3.000-m-Strecke, die die Frauen bei der EM zwischen 1974 und 1994 gelaufen waren, kam nie eine deutsche Läuferin unter die ersten drei.

Jakob Ingebrigtsen feierte bereits seinen zweiten EM-Doppelsieg über 1.500 und 5.000 m. Foto: Daniel Kopatsch / Munich 2022

Konstanze Klosterhalfen ist die erste deutsche 5.000-m-Europameisterin. Foto: Karl-Josef Hildenbrand / Munich 2022

In München feierte die 25-jährige Läuferin, die für Bayer Leverkusen startet, nur drei Tage nach ihrem vierten Platz im 10.000-m-Finale den bisher größten Sieg ihrer Karriere. Vor drei Jahren hatte Konstanze Klosterhalfen bei den Weltmeisterschaften in Doha bereits die Bronzemedaille über 5.000 m gewonnen, was rein sportlich gesehen noch höher zu bewerten ist. In München siegte sie angefeuert von einer stattlichen Kulisse im Olympiastadion in 14:50,47 Minuten vor der 10.000-m-Siegerin Yasemin Can (Türkei/14:56,91) und Eilish McColgan (Großbritannien/14:59,34), die über die 10.000 m Silber gewonnen hatte.

Sara Benfarès (LC Rehlingen) lief auf Rang elf in einer persönlichen Bestzeit von 15:20,94 während Alina Reh (SCC Berlin) das Rennen rund 600 Meter vor dem Ziel offenbar aufgrund von erneuten Magenbeschwerden aufgab. Zuvor war auch die Titel-Mitfavoritin Karoline Grovdal (Norwegen) aus dem Rennen gegangen.

Zum zweiten Mal nach 2018 hatte Jakob Ingebrigtsen bei den Europameisterschaften kurz zuvor sowohl die 5.000 als auch die 1.500 m gewonnen. Zwei Tage nach seinem Sieg über die Langstrecke rannte der Norweger ebenso souverän auch zum Mittelstrecken-Gold. Der erst 21-jährige Titelverteidiger lief in München 3:32,76 Minuten und stellte damit einen EM-Rekord auf. Jakob Ingebrigtsen hatte frühzeitig für ein hohes Tempo gesorgt und ließ seinen Konkurrenten damit nie eine Chance. Zweiter wurde überraschend der Brite Jake Heyward (3:34,44) vor dem Spanier Mario Garcia (3:34,88). „Ich hatte das Tempo in meinen Beinen, daher wollte ich von Anfang an schnell laufen. Ich freue mich über den Doppelsieg, und der Meisterschaftsrekord ist noch ein Bonus“, sagte Jakob Ingebrigtsen.

Konstanze Klosterhalfen: „Ich kann es nicht glauben“

Nach einem sehr verhaltenen Beginn im 5.000-m-Finale waren es die Favoritinnen Karoline Grovdal und Yasemin Can, die sich an die Spitze setzten und das Tempo verschärften. Hinter den beiden liefen Konstanze Klosterhalfen und Eilish McColgan. Wie schon im 10.000-m-Finale löste sich dann rund 2.500 Meter vor dem Ziel Yasemin Can von ihren Konkurrentinnen. Während die norwegische Crosslauf-Europameisterin Karolin Grovdal kurz darauf das Rennen offenbar aufgrund einer Muskelverletzung aufgab, konnten Konstanze Klosterhalfen und Eilish McColgan den Abstand zur führenden Türkin zumindest konstant halten. Nach und nach kam das Duo dann wieder dichter an Yasemin Can heran, die dieses Mal das Tempo nicht halten konnte. Gut zwei Runden vor Schluss hatte Konstanze Klosterhalfen die Lücke geschlossen, während Eilish McColgan etwas zurückgefallen war. 600 Meter vor dem Ziel überholte sie die Türkin und lief, getragen vom Publikum, der Goldmedaille entgegen.

„Das kam völlig überraschend. Ich habe nie damit gerechnet und nicht einmal an eine Medaille gedacht - ich kann es nicht glauben“, sagte Konstanze Klosterhalfen, die sich im Juni mit Corona infiziert hatte und dann bei der WM noch lange nicht in Topform war. Dort schied sie im 5.000-m-Vorlauf aus und trat über 10.000 m nicht an. Kurz vor der EM zeigte Konstanze Klosterhalfen dann aufsteigende Form, doch im 10.000-m-Rennen reichte das noch nicht, um am Ende in den Medaillenkampf eingreifen zu können. „Vielleicht“, mutmaßte sie schon am Montagabend, „ist es zurzeit für mich über 5.000 Meter einfacher.“ Dennoch stand sie kurz davor auf das 5.000-m-Rennen zu verzichten, „denn mein Trainer sagte, mach lieber eine Pause“. „Aber ich wollte in München auch die 5.000 Meter laufen“, sagte Konstanze Klosterhalfen, die dann überraschend zur Nachfolgerin von Sifan Hassan wurde. Die holländische Olympiasiegerin, mit der sie zeitweilig zusammen trainiert, hatte auf Starts bei der EM verzichtet.

Lea Meyer und Elena Burkard im Hindernis-Finale

Licht und Schatten gab es für die deutschen Läufer in den Vorläufen am Donnerstag. Zwei deutsche 3.000-m-Hindernisläuferinnen erreichten das Finale, das am Sonnabend stattfindet. Während die Titelverteidigerin Gesa Krause (Silvesterlauf Trier) krankheitsbedingt nicht in München starten konnte, gewann Lea Meyer (ASV Köln) ihren Vorlauf in 9:39,55 Minuten. Im gleichen Rennen schaffte Elena Burkard (LG Farbtex Nordschwarzwald) die Qualifikation als Sechste mit 9:43,97 aufgrund der gelaufenen Zeit. Den anderen Vorlauf gewann die zu den Topfavoritinnen zählende Luiza Gega (Albanien) in 9:30,93. Hier belegte Olivia Gürth (Diezer TSK Oranien) Rang acht, doch ihre Zeit von 9:50,95 war nicht schnell genug, um den Endlauf zu erreichen.

Über 800 m qualifizierte sich Christina Hering (LG Stadtwerke München) als Dritte ihres Vorlaufes in 2:03,00 Minuten knapp für das Halbfinale. Etwas Glück hatte Majtie Kolberg (LG Kreis Ahrweiler), die in ihrem Rennen nur Rang sieben belegte. Über die Zeit von 2:02,52 schaffte sie jedoch noch die Qualifikation für die nächste Runde. Ausgeschieden ist dagegen Tanja Spill (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen). Für sie reichten Platz fünf und 2:04,60 nicht für die nächste Runde.

Bei den Männern schieden beide deutsche Starter bereits in den Vorläufen aus. Marc Reuther (Eintracht Frankfurt) wurde Sechster in 1:48,33 Minuten und verpasste damit das Halbfinale ebenso deutlich wie Christoph Kessler (LG Region Karlsruhe), der in seinem Rennen nur den achten Platz in 1:47,72 belegte.

Text: race-news-service.com