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Olympiasieger Stefano Baldini ehrt Brimin Misoi in Frankfurt

Als die Siegerehrung in der Festhalle schon längst vorbei war und die letzten der 7.946 Finisher im Ziel waren, gab es für den Gewinner des Mainova Frankfurt-Marathons, Brimin Misoi, am Abend noch eine besondere, überraschende Ehrung: In der Lobby des Hotels „Mövenpick“ gratulierte dem Kenianer ein Marathon-Olympiasieger zu seinem Rennen: Stefano Baldini. Der Italiener hatte bei den Spielen 2004 in Athen die Goldmedaille gewonnen und wurde in seinem Heimatland zum Sport-Superstar.

Stefano Baldini, der Marathon-Olympiasieger von Athen 2004, ehrt beim Mainova Frankfurt-Marathon den Sieger Brimin Misoi. Foto: www.photorun.net

„Brimin ist hier heute ein starkes Rennen gelaufen bei schwierigen Bedingungen, es war eine beeindruckende Leistung“, sagte Stefano Baldini zum Lauf von Brimin Misoi, der mit 2:06:11 Stunden seine Bestleistung um genau zweieinhalb Minuten unterbot. „Aufgrund der hohen Temperaturen war das fast wie bei einem Meisterschaftsrennen im August. Wer sich bei solchen Bedingungen so gut schlägt, der ist gut vorbereitet für einen Kampf um Medaillen bei einem Höhepunkt im Sommer.“

Zum Mainova Frankfurt-Marathon kam Stefano Baldini als Trainer. Am Main lief die Italienerin Rebecca Lonedo ihr Marathon-Debüt und kam dabei als Neunte nach 2:39:54 ins Ziel. „Wir hatten Frankfurt ausgewählt aufgrund der schnellen Strecke und der normalerweise guten Wetterbedingungen. Das passte heute leider nicht. Rebecca kam mit den hohen Temperaturen nicht zurecht und litt zudem unter Magenproblemen“, erzählte der 51-jährige Athen-Olympiasieger, der eine Gruppe von 25 Läufern betreut. Sein aussichtsreichster Athlet ist zurzeit Pietro Riva, der bei den Europameisterschaften in München über 10.000 m Platz fünf belegt hatte und sich vor acht Tagen beim Halbmarathon in Valencia auf 60:30 Minuten steigerte. „Ich hoffe, dass er bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 über 10.000 Meter dabei ist“, sagt Stefano Baldini, dessen 21-jährige Tochter Alessia nicht zu der Trainingsgruppe gehört. Sie läuft 200 und 400 Meter und steigerte sich in diesem Jahr über die Stadionrunde auf 55,81 Sekunden.

Der Sieger des Mainova Frankfurt-Marathons hat mit dem italienischen Olympiasieger etwas besonderes gemeinsam. Denn auch Brimin Misoi siegte auf der klassischen Marathonstrecke, die von der Kleinstadt Marathon nach Athen führt: 2018 gewann der Kenianer den Athen-Marathon. Als Stefano Baldini 2004 seine Karriere mit der olympischen Goldmedaille krönte, lief er 2:10:55 Stunden. Die Zeiten sind natürlich nicht vergleichbar, denn der Italiener lief in der Athener Sommerhitze, aber Brimin Misoi siegte 14 Jahre später in 2:10:56. „Die Strecke des Athen-Marathons ist sehr hart. Wer dort gut läuft, muss stark sein und verdient Respekt“, sagt Stefano Baldini, der selbst 2019 noch einmal zu dem Rennen zurückkehrte und dort als damals 48-Jähriger eine beachtliche Zeit von 2:57:07 erreichte. „Das war das letzte Mal, dass ich einen Marathon gelaufen bin. Aber ich halte mich fit und kann heute noch 10 km in rund 33 Minuten laufen.“

Was die persönlichen Bestzeiten angeht, hat Brimin Misoi beim Mainova Frankfurt-Marathon mit seinen 2:06:11 Stunden den Olympiasieger in der ewigen Rangliste überholt. Der persönliche Rekord von Stefano Baldini steht bei 2:07:22 Stunden - dabei standen dem Italiener natürlich nicht die heutigen, leistungsfördernden Schuhmodelle zur Verfügung. „Die Frankfurter Strecke ist wirklich sehr schnell“, sagt Stefano Baldini, der auch als Kommentator für Sky Sport Italia arbeitet.

Für Brimin Misoi soll die 2:06-Siegzeit noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. „In der Zukunft möchte ich Zeiten im Bereich von 2:03 bis 2:04 Stunden erreichen. Im Dezember fange ich wieder an mit dem Training, dann könnte ich mir vorstellen den Tokio-Marathon im März zu laufen. Wenn es möglich ist, würde ich gerne in einem Jahr wieder nach Frankfurt zurückkehren und meinen Titel verteidigen“, sagt der Kenianer.

Text: race-news-service.com