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Evans Chebet und Sharon Lokedi gewinnen dramatische Rennen in New York

Die Kenianer Evans Chebet und Sharon Lokedi haben nach spektakulären Rennverläufen den New York-Marathon gewonnen. Chebet, der in diesem Jahr bereits beim Boston-Marathon die Nummer eins war, triumphierte in 2:08:41 Stunden, nachdem der lange Zeit mit deutlichem Vorsprung führende Brasilianer Daniel do Nascimento das Rennen bei sehr warmen Temperaturen rund acht Kilometer vor dem Ziel völlig entkräftet aufgegeben hatte und dann auf das Straßenpflaster gefallen war. Zweiter wurde der Äthiopier Shura Kitata in 2:08:54 vor dem Holländer Abdi Nageeye, der nach 2:10:31 ins Ziel im Central Park lief.

Evans Chebet gewann ein dramatisches Rennen in New York. Foto: www.photorun.net

Sharon Lokedi gelang im Central Park ein Überraschungssieg. Foto: www.photorun.net

Sharon Lokedi gelang bei ihrem Debüt ein Überraschungs-Triumph. Die 27-Jährige, die nicht zu den Favoritinnen zählte und zwischenzeitlich bereits zurücklag, siegte in 2:23:23 Minuten knapp vor Lonah Salpeter (Israel), die nach 2:23:30 im Ziel war. Als Dritte folgte die Marathon-Weltmeisterin Gotytom Gebreslase (Äthiopien) in 2:23:39.

Hendrik Pfeiffer startete wie angekündigt nur eine Woche nach dem Mainova Frankfurt-Marathon auch in New York. Zwar lief er natürlich nicht mit vollem Einsatz, doch nach einer den Umständen entsprechend sehr schnellen ersten Hälfte von 68:20 Minuten kam der Läufer des TV Wattenscheid nach 2:22:31 Stunden ins Ziel. Eine Platzierung war noch nicht zu ermitteln, da die Ergebnislisten in New York erst zeitversetzt veröffentlicht werden.

Hendrik Pfeiffer war von den Veranstaltern nicht für das Elitefeld zugelassen worden und daher dann seinen leistungssportlich relevanten Herbst-Marathon kurzfristig in Frankfurt gelaufen, wo er als Siebenter überzeugt hatte und 2:11:28 gelaufen war. In New York startete er dann aus Spaß mit der Startnummer 1088. Es war bereits sein fünfter Marathon in diesem Jahr (genau so viele war er zuvor während seiner gesamten Karriere zwischen 2016 und 2021 gelaufen!), wobei auch das Rennen in Köln nur ein Trainingslauf war.

Ein großer Saisonhöhepunkt sollte der New York-Marathon für den Schweizer Tadesse Abraham werden. Doch der inzwischen 40-Jährige stieg auf der welligen Strecke nach der 30-km-Marke aus, nachdem er zuvor zeitweise in der Verfolgergruppe gelaufen war.  

Im Rennen der Männer war überraschend Daniel do Nascimento von Beginn an sein eigenes, angesichts der schwierigen New Yorker Strecke extrem schnelles Tempo gelaufen. Schon nach 5 km hatte der neue brasilianische Rekordhalter (2:04:51) mit einer Zwischenzeit von 14:31 rund eine halbe Minute Vorsprung. Danach lief er noch etwas schneller, passierte 10 km in 28:42 mit einer Zeit die ziemlich genau im Tempobereich von Eliud Kipchoges Weltrekord liegt (2:01:09)  und hatte nun schon fast eineinhalb Minuten Vorsprung. Nach einer Halbmarathon-Zwischenzeit von 61:22 war der Vorsprung bei 25 km (1:13:29 Stunden) auf 2:12 Minuten angewachsen.

War Daniel do Nascimento auf dem Weg zu einem Sensationssieg und könnte er als zweiter Brasilianer nach Marilson Gomes dos Santos (er siegte 2006 und 2008) den New York-Marathon gewinnen oder würde er einbrechen? Letzteres traf zu, und das auf extreme Weise. Nach einer ungewöhnlichen Toilettenpause von rund 20 Sekunden war der Vorsprung nach 30 km (1:29:09) auf 68 Sekunden geschrumpft. Hinter ihm machte Evans Chebet, der mit seiner Bestzeit von 2:03:00 der schnellste Läufer im Starterfeld war und sich aus der Verfolgergruppe gelöst hatte, immer mehr Boden gut. Nur noch 40 Sekunden betrug der Vorsprung zehn Kilometer vor dem Ziel. Dann blieb Daniel do Nascimento zunächst plötzlich fast stehen und taumelte, lief aber noch einmal weiter, stoppte dann wiederum taumelnd ab und fiel offenbar von Krämpfen geplagt auf das Straßenpflaster, als er ein Absperrband unterqueren wollte. Während der Brasilianer auf dem Boden lag, lief Evans Chebet vorbei und war nicht mehr zu schlagen. Es war einer der dramatischsten Führungswechsel in der jüngeren Marathon-Geschichte. Einen Hitze-bedingten Zusammenbruch hatte der Schotte Callum Hawkins in Führung liegend bei den Commonwealth Games 2018 in Australien.

„Das war ein sehr hartes Rennen aufgrund der Wärme und Luftfeuchtigkeit. Ich wusste, dass do Nascimento einen großen Vorsprung hatte. Aber ich wusste auch, dass wir bei diesen Bedingungen schon schnell liefen und daher war ich mir sicher, dass ich ihn einholen würde“, sagte Evans Chebet, der im finalen Rennen der World Marathon Majors-Serie (WMM) mit dem bisher führenden Eliud Kipchoge (Kenia) gleichzog. Da beide in diesem Jahr nicht gegeneinander gelaufen sind, müssten die Race-Direktoren der WMM laut Reglement nun festlegen, wer der Gesamtsieger ist oder ob sich beide Platz eins teilen.

Bei den Frauen war es eigentlich eine andere kenianische Debütantin, der man vor dem Start einen Sieg auf Anhieb zugetraut hatte: Hellen Obiri, die zweifache 5.000-m-Weltmeisterin, die im Halbmarathon bereits eine Weltklassezeit von 64:22 Minuten erreicht hatte. Doch es kam ganz anders. Obiri leistete immer wieder Führungsarbeit und führte die Spitzengruppe durch die Halbmarathon-Marke (1:12:17) und auch über den 25-km-Punkt. Zu diesem Zeitpunkt lagen noch neun Läuferinnen in der ersten Gruppe. Dann war es wieder Hellen Obiri, die die Initiative ergriff und sich gemeinsam mit ihrer Landsfrau Viola Cheptoo sowie der amtierenden Weltmeisterin Gotytom Gebreslase absetzte. Bei Kilometer 30 hatte das Trio einen Vorsprung von elf Sekunden auf eine Gruppe von Verfolgerinnen mit Lena Salpeter und Sharon Lokedi. Doch die WM-Dritte aus Isreal, Salpeter, schloss dann auf den folgenden beiden Kilometern die Lücke und zog hinter sich Lokedi mit.

Bei Kilometer 35 gingen dann Hellen Obiri die Kräfte aus. An der Spitze machte Lonah Salpeter Druck, so dass nun auch die Weltmeisterin Gebreslase zurückfiel, doch Lokedi ließ sich nicht abschütteln. Nach Kilometer 40 war es dann die Außenseiterin, die sich überraschend absetzte und zum Sieg lief. Wie die spätere Marathon-Weltrekordlerin Tegla Loroupe 1994 gewann auch die 27-jährige Sharon Lokedi ihr Marathon-Debüt in New York, während Hellen Obiri als Sechste in 2:25:49 ins Ziel lief.

Die drittplatzierte Gotytom Gebreslase gewann die WMM-Serie. Bemerkenswert war aber auch die Leistung von Edna Kiplagat: Neun Tage vor ihrem 43. Geburtstag lief die zweimalige kenianische Marathon-Weltmeisterin auf einen eindrucksvollen vierten Platz in 2:24:16.

Ergebnisse, Männer:  
1. Evans Chebet KEN02:08:41
2. Shura Kitata ETH 02:08:54
3. Abdi Nageeye NED 02:10:31
4. Mohamed El Aaraby MAR  02:11:00
5. Suguru Osako JPN 02:11:31
6. Tetsuya Yoroizaka JPN 02:12:12
7. Albert Korir KEN 02:13:27
8. Daniele Meucci ITA02:13:29
9. Scott Fauble USA 02:13:35
10. Reed Fischer USA02:15:23
   
Frauen:  
1. Sharon Lokedi KEN02:23:23
2. Lonah Salpeter ISR02:23:30
3. Gotytom Gebreslase ETH02:23:39
4. Edna Kiplagat KEN02:24:16
5. Viola Cheptoo KEN02:25:34
6. Hellen Obiri KEN02:25:49
7. Aliphine Tukiamuk USA02:26:18
8. Emma Bates USA02:26:53
9. Jessia Stenson AUS02:27:27
10. Nell Rojas USA02:28:32

Text: race-news-service.com